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Kurzfassung:
- liebte es bereits als Kind zu zeichnen und zu malen (Alter 3+)
- frühes Interesse, Gegenstände zu auseinander zu nehmen und an Handwerken (7+)
- Inspiration durch den Großvater (Handwerken und Zeichnen)
- erste Versuche, mit Wasserfarben zu malen (12+)
- erste öffentliche Ausstellung in einer Bank in Elmshorn (Wasserfarben, Zeichnungen), (16+)
- Stipendium für Kunst von der Peter Kölln Stiftung in Elmshorn (1990)
- Ausstellung in einem Krankenhaus in Hamburg (1991)
- Erste Teilnahme am Karneval von Venedig 1999
- Erste Teilnahme am Wettbewerb um das schönste Kostüm beim Karneval von Venedig auf dem Markusplatz2003
- Zertifikat zur „Herstellung von Totenmasken” bei Stöber Körper & Form, Solingen, 2005
- Erster Preis für das „beste Kostüm des Karnevals von Venedig” 2007
- Erneut erster Preis für das „beste Kostüm des Karnevals von Venedig” 2008
- Teilnahme an einer Schulung zur Herstellung von Schuhen in London bei „Prescott & Mackay”, Frühjahr 2008
- Lehrer bei dem Schulprojekt „Herstellung venezianischer Masken” mit Schülern einer öffentlichen Schule in Vicenza (Veneto), Italien, Sommer 2008
- Lehrer bei dem Schulprojekt „Herstellung venezianischer Kostüme” mit Lehrern einer öffentlichen Schule in Vicenza (Veneto), Italien, Sommer 2008
- Zum dritten Mal erster Preis für das „beste Kostüm des Karnevals von Venedig” 2009
Etwas ausführlicher:
Tanja Schulz-Hess lebt in Hamburg. Sie hat mehrere Leben in einem: als Mutter einer bezaubernden, süßen kleinen Tochter, als Angestellte für Deutschlands angesehenstes politisches Magazin und als Künstlerin. Malen, kreative Arbeit an Modestücken wie Kleidung, Hüten, Schuhen, etc., Herstellen und Zerlegen von Dingen waren schon immer ihre Leidenschaft und ihre Begabung. Nach ihrer ersten öffentlichen Ausstellung (Gemälde) bekam sie 1990 ein kleines Stipendium für ihre kreativen Arbeiten, entschied sich jedoch gegen ein Kunststudium.
Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau nahm Tanja ein Weiterbildungsjahr mit dem amerikanischen non-profit Kultur- und Austauschprogramm „Up with people”. In einem Jahr reiste sie mit 170 jungen Menschen aus 23 verschiedenen Nationen um die Welt, trat dabei in einer semi-professionellen Musical-Show auf, machte Marketing, PR und Bühnenarbeiten ebenso wie soziale Arbeiten (über 100 verschiedene Sozialprojekte wie Kochen für Obdachlose in Nebraska, USA, Sortieren von Kleidung für die Heilsarmee oder Präsentationen über die deutsche Kultur an Schulen). Sie übernachtete bei über 100 Gastfamilien in 21 Bundesstaaten der USA, drei Provinzen in Kanada, Norwegen, Schweden und Finnland. Während dieser Zeit war sie in einigen Projekten für die Bühnendekoration und anderem kreativ tätig.
Nach solch einer großen Inspiration kehrte sie nach Hause zurück, in die Provinz von Norddeutschland. Bald darauf zog sie nach Hamburg um und studierte dort an der Universität Politik und Journalismus. Nach zwei Jahren entschied sie, dass klassisches Studieren an der Uni nicht ihr Weg war. Ein Job in einer Presseagentur wurde ihr in den Semesterferien angeboten, in der sie 1 1/2 Jahre blieb. Im Jahr 2000 wechselte sie zum SPIEGEL . Neben der interessanten, intellektuell stimulierenden Arbeit beim Magazin interessierte sich Tanja immer mehr für den Venezianischen Karneval und seine Historie. Tanja sammelte immer mehr Erfahrung im Kostümmachen und verbesserte ihre Fähigkeiten.
Ihre "Venezianische Liebesgeschichte" begann 1992 als sie sich mit einer Freundin auf einen billigen Bustrip zum Karneval nach Venedig aufmachte. Nachdem die beiden das Spektakel erlebt hatten war für Tanja klar: Hierher, in diese fantastische Welt der wunderschönen Masken und Kostümen und Geschichten, die die Kostüme selbst erzählen, musste sie zurück kehren. Und natürlich musste es ein eigenes Kostüm sein, denn ihr war wichtig, sich selbst auszudrücken in dieser besonderen Welt. Nur was zu kaufen wäre zu einfach gewesen. Es dauerte aber sieben Jahre, bis Tanja die Zeit fand, wieder zum Carnevale zu fahren.
Doch ein Kostüm zu machen stellte sich als schwerer heraus, als gedacht. Tanja entwarf ein Gewand, kaftan-ähnlich mit einem großen Kopfteil aus Draht. Einfach zu tragen für einen Anfänger. Aber als sie die Nähmaschine, die ihr ihre Mutter einmal geschenkt hatte, nahm, tauchte Tanjas großes Nähmaschinen-Problem auf, das sie bis heute verfolgt: die sture Maschine wollte nicht tun, was Tanja ihr sagte. Knoten, Fadenriss, etc. pp.. Nichts ging. Was immer sie versuchte, die Maschine wollte nicht folgen. Es scheint ein Fluch auf der Verbindung Tanja + Nähmaschine zu liegen. Sie ist nicht abergläubisch, aber 2008 in London bei einem Schuhmacher-Workshop brannte innerhalb von 1 Minute die Nähmaschine, an die Tanja von der Lehrerin gesetzt wurde. Obwohl Tanja vorher warnte, das sei keine gute Idee. Ein Faden der Nebenmschine hatte sich aufgewickelt, ein Nest gebildet und zu brennen angefangen...aber das ist eine andere Geschichte .
Also musste Tanja sich einen anderen Weg suchen, um die Kostüme zu machen. Tacker funktionierte nicht, Klebstoff trocknete zu langsam... irgendwann hatte sie eine Heißklebepistole in der Hand und DAS funktionierte sehr gut. Es war der Beginn einer großen Lovestory, die bis heute anhält. Bis heute arbeitet Tanja "freihändig" ohne Schnitte, Nähnadel oder die üblichen Schneidertechniken. Das ist der Grund, warum Tanjas Gewänder eher tragbare Skulpturen, also zeitgenössische Kostümkunstwerke sind.
Jedes Jahr wurden die Kleider größer, detaillierter (Tanja legt Wert auf schöne Kleinigkeiten wie Fächer, Schuhe, Muffs, Handschuhe, Perücken und Schmuck, die exakt zum Kleid passen) und wilder. Sie "kommentiert das moderne Leben" auf Schnitten des 17./18. Jahrhunderts. Jedes Kostüm hat eine Geschichte. Besondere Gründe, warum und wie es entstand, aber auch oft einen spannenden Hintergrund, welche Spitze oder welcher Gegenstand wo auf dem Kleidungsstück landet. Die Gewänder sind immer eine Symbiose aus Alt und Neu (in Thema, Schnitt und Material), genauso wie Venedig das Alte und das Neue ständig neu verbindet. 90% des Materials stammt von Flohmärkten aus aller Welt (meist jedoch aus Hamburg). Immer Samstags und Sonntags bei Sonnenaufgang ist "Happy hour". Tobias, Tanjas Ehemann, kümmert sich um die kleine Tochter und Mama geht auf die Jagd nach interessanten Stoffen und Materialien für die Kostüme. Doch auch Baumärkte, Schraubenläden und Supermärkte sind Quelle der Inspiration... eigentlich kann ALLES eins von Tanjas Kostümen werden. Ob ein alter Küchenvorhang aus den 50er Jahren oder ein Traum, den sie während der Hochzeitsreise in Neuseeland hatte, nachdem sie mit ihrem Ehemann eine Schokoladenfabrik besuchte. Stoff, Draht, Rohre, Haar, alte Haushaltsgegenstände, nichts ist sicher! Alles bekommt ein "zweites Leben". Die Inspiration lauert überall und springt Tanja auch immer und überall an. Das Entwurfbuch platzt fast. Wenn es die Zeit erlauben würde (neben regulärem Job, zauberhafter Tochter und wunderbarem Ehemann), könnten jedes Jahr 10 bis 20 Kostüme enstehen. Doch in den letzten Jahren bleibt es meist bei 6 bis 8. Was immer noch viel ist, doch es finden sich immer Freunde, die sehr gern mal in ein Kleid schlüpfen möchten und in die wunderbare Welt des Carnevale eintauchen wollen.
Als Grundform bevorzugt Tanja die Mode des 17. und 18. Jahrhunderts, allerding immer in Kombination mit einem aktuellen Thema (Berlusconi als Figur der Commedia dell'Arte (16. Jhdt.)) oder modernen Materialien. Dies fügt sich zusammen zu "Contemporary Carnival Costumes" - also zeitgenössischen Kostümen. In den letzten Jahren kamen zu immer mehr Details auch große Perücken à la "Madame Pompadour", die soetwas wie das Erkennungszeichen von Tanjas Kostümen wurden.
Diese Riesen-Perücken sind zwar nicht so leicht (im wahren Sinne des Wortes) zu tragen, aber sie sind definitiv die "Kirsche auf der Torte" und machen die inspirierten, detaillierten Kleider mit all den schönen kleinen Extras zu etwas ganz besonderem.
Nach dem dreimaligen Gewinn hintereinander (das gabs noch nie in der Geschichtes des Wettbewerbs) um "das schönste Kostüm des Carnevale di Venezia" 2007, 2008 & 2009 (nicht nur ein Lebenstraum erfüllte sich, sondern sogar drei!) macht Tanja weiter Kostüme in ihrer knapp bemessenen Freizeit. Nicht unbedingt um zu gewinnen (klar, ist toll, keine Frage), sondern einfach, weil es viel Spaß macht und fast meditativen Charakter für Tanja hat (was auch in dunklen Zeiten des Lebens, die es ja immer wieder gibt, hilft, an das Schöne zu glauben), in Stoffen, Borten und interessanten kleinen Sachen zu schwelgen. Ideen entwicklen, die Leute im Karneval von Venedig und anderen Veranstaltungen (in der letzten Zeit gab es Einladungen für die Altonale in Hamburg, den Karneval im dänischen Aalborg und in der "Center for Carnival Arts" in Luton (bei London), England) mit den Kreationen eine Freude machen. Menschen verschiedener Kulturen und Herkunft in der Freude über die schönen Gewänder zu vereinen, das ist die beste "Bezahlung" für die Arbeit an den Kleidern. Am Wettbewerb in Venedig nehmen etwa 400 Kostümmacher aus aller Welt teil. Viele von ihnen sind professionelle Gestalter von Bühnen, Kostümen und Dekorationen. Tanja bleibt eine enthusiastische Amateurin, jemand der die Kostüme aus Leidenschaft und Liebe macht, nicht um des Geldes Willen.
Bei "drei Leben" ist es gar nicht so leicht, Zeit für das "dritte Leben" zu finden. Früh aufstehen und spät ins Bett gehen hilft, um in der zweiten Jahreshälfte im ehemaligen Esszimmer die Kostümträume zu bauen. Und jedes Lächeln, jeder respektvolle Blick und jedes gemachte Foto - egal ob vom normalen Touristen oder Profi - schenkt etwas zurück, von den Leuten, die sie in Kostümen trifft.
Mittlerweile kann man auch Kostüme aus ihrem Fundus leihen. Wenn Sie also jemals davon geträumt haben, eines dieser "Contemporary Carnival Art Costumes" zu tragen, lassen Sie es mich wissen. Ich freue mich immer, wenn meine Gewänder mal "raus" dürfen, um frische Luft zu atmen. Die Kleider sind ja schließlich zum Anziehen und Angucken da.
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